| Die depressive Erkrankung ist gekennzeich-
net durch eine längerfristige Veränderung von Stimmung
und Antrieb ins Negative, ver-
bunden mit verschiedenen Symptomen, die mehr oder wenig stark
ausgeprägt sein können:
Symptomatik
- Verlust des Interesses an Tätigkeiten, die früher
Spaß machten (Hobbys, Sex usw.)
- Freude wird nicht mehr empfunden. Geringerer Appetit mit Gewichtsverlust oder erhöhter Appetit
mit Gewichts-
zunahme
- Schlafstörungen, gekennzeichnet durch frühzeitiges
Erwachen gefolgt von Grübeln oder durch Einschlafstörungen
- Geringerer oder erhöhter Schlafbedarf
- Ruhelosigkeit oder verminderte Aktivität, die anderen
auffällt
- Konzentrations- und Entscheidungs-
schwierigkeiten, langsamer Gedanken-
gang
- Gefühl der Wertlosigkeit, geringeres Selbstbewusstsein
oder unange-
brachte Schuldgefühle
- Wiederkehrende Gedanken an Tod oder Selbstmord, pessimistische
Erwartungen
- Sozialer Rückzug
„Frühsport" wirkt mächtig antidepressiv!
Ablauf der Depression
Depressionen verlaufen meist in Form von Krankheitsphasen (Episoden),
die Wochen bis Monate, manchmal auch Jahre anhalten kön-
nen. Die depressiven Verstimmungen haben, vor allem wenn sie unbehandelt
bleiben, die Tendenz erneut aufzutreten, und in manchen Fällen
nehmen sie auch einen chronischen Verlauf, d.h. die depressive
Stimmung wird zum Dauerzustand.
Depressionen gehen wie kaum eine andere Erkrankung mit hohem Leidensdruck
einher, da diese Erkrankung ins Zentrum des Wohl-
befindens zielt und die Lebensqualität grund-
sätzlich beeinflusst.
Nicht nur vom subjektiven Erleben her, son-
dern auch objektiv gesehen ist die Depres-
sion eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung, was sich
in der hohen Selbst-
mordgefährdung ausdrückt. Fast alle Patien-
ten mit schweren Depressionen haben zu-
mindest zeitweise Suizidgedanken.
Die zentralen Therapieschritte
1. Depressive Stimmungslage überwinden
Die einladende Umgebung der Klinik, freundlich-ehrliche Kontakte
in einem entspannenden Rahmen und die wunderbare Lage der
Klinik inmitten von ursprünglicher Natur unterstützen
oft schon in den ersten Tagen ein inneres Umschalten, mit
der mehr Öffnung und Ausdruck möglich wird. Auch
die verschiedenen Formen des Entspannungs-
trainings setzen
hier an.
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2. Antidepressiva
Bei einer entsprechenden Indikation verabreichen wir in Absprache
den Patienten gegen Depressionen wirksame
Medikamente, die den Gesundungsvorgang und die langfristige
Stabilität hilfreich unterstützen können. Diese
Medikamente können bei der Korrektur eines chemischen
Ungleichgewichts helfen, das einer Depression zugrunde liegt
bzw. sie begleitet. Heute stehen zahlreiche Antidepressiva
zur Wahl.
3. Den Sinn der Depression verstehen
Mit der Aufarbeitung der Entstehungsge-
schichte kann die depressive
Symptomatik in der Regel verstanden werden. Wird die .,Botschaft"
der Symptomatik aufgegriffen, dann verliert sie ihre Grundlage
und kann verschwinden.
4. Überprüfen der depressiven
Weltsicht
Viele Menschen entwickeln im Laufe der depressiven Erkrankung
eine ausgesprochen düstere Sicht bezüglich der eigenen
Person, der Gegenwart, der Zukunft und ihrer Umwelt. Dieser
Pessimismus ist auch Teil der Erkrankung.
5. Aufbau von positiven Aktivitäten
Bedingt durch den depressiven Rückzug, die schlechte Stimmungslage
und den verminderten Antrieb haben Menschen, die unter einer
Depression leiden in der Regel ihre ehemals angenehmen und aufbauenden
Tätigkeiten eingeschränkt. Dieses Fehlen einer positiven
Verstärkung trägt wie eine Negativspirale zu einer
Verschlechterung der Stimmung bei. Viele der therapeutischen
Angebote unserer Klinik haben das Ziel, diese Negativspirale
zu durchbrechen und über einen unterstützten Aufbau
von positiven Aktivitäten zu einer Überwindung der
depressiven Symptomatik beizutragen.
6. Gefühlsausdruck und Körpergefühl
Depression heißt wörtlich "niederdrücken",
unterdrückt werden oft Gefühle wie z.B. Ärger.
In den verschiedenen Gruppen-
therapien (Musik-, Tanz-, Kunsttherapie)
wird daher der Gefühlsausdruck gefördert. Hier entsteht
die Grundlage zu einem positiven Körpergefühl.
7. Kontakt- und Beziehungsfähigkeit
fördern
Depressive Verstimmungen führen in der Regel zu Einsamkeit
und Rückzug. In der Therapie werden Ausdruck und Selbstöffnung
freundlich gefördert, denn offene, gute menschliche Kontakte
helfen in Krisensituationen und sind ein guter Schutz gegen
den depressiven Rückzug.
8. Arbeit mit den Familien
Die depressive Erkrankung eines Familienmitgliedes ist immer auch
mit erheblichen Belastungen für die Angehörigen verbunden, die
sich häufig Vorwürfe machen. Wir helfen Ihnen die
Problematik zu verstehen und unterstützen
Sie dabei, hilfreiche Strategien für die Zeit nach dem
Klinikaufenthalt zu entwickeln.
9. Körperliche Fitness fördern
Eine intensive körperliche Belastung ist mit einer depressiven
Stimmungslage nicht vereinbar. Kontrollierte wissenschaftliche
Untersuchungen zeigten, dass eine regelmäßige Konditionsbelastung
(d.h. sportliche Betätigung mit mittlerer Intensi-
tät) besser und langfristiger antidepressiv wirkt, als
jede andere bekannte Methode einschließlich Psychopharmaka.
Menschen, die regelmäßig Sport betreiben oder sich
körperlich betätigen, sprechen oft auf Antidepressiva
besser und rascher an, als jene, die dies nicht tun. Eine normale
Kondition. bewirkt daher eine gute Unterstützung der Selbstheilung! |