Zur Zwangsstörung:
Man geht heute davon aus, dass etwa 2% der Bevölkerung unter Zwangsstörungen leiden. Während die leichteren Formen in der
Regel ambulant behandelt werden können, ist in einigen
Fällen auch eine stationäre Psychotherapie notwendig
und sinnvoll.
Was ist eine Zwangsstörung ?
Nahezu jeder kennt Gedanken wie: "Ist der Ofen wirklich
aus?" oder "Habe ich die Tür abgeschlossen?",
und die meisten Menschen haben aufgrund solcher Gedanken Dinge
wie Ofen, Bügeleisen, Tür etc. zur Sicherheit noch
einmal kontrolliert. Dies ist zweifellos auch sinnvoll, denn
fast jedem ist es irgendwann einmal passiert, dass er beinahe
etwas Wichtiges übersehen hätte. Bei Menschen, die
unter einer Zwangsstörung leiden, übersteigt dieses
Verhalten jedoch deutlich ein Maß, das als sinnvoll
bezeichnet werden könnte. Sie erleben solche Gedanken
mit einer ganz anderen, sehr quälenden Intensität,
was dazu führt, dass sie oft stundenlang bestimmte Rituale
ausführen müssen, beispielsweise 10 oder 20 Mal
kontrollieren müssen, ob der Ofen oder andere elektrische
Geräte ausgeschaltet sind. Die Übergänge zwischen
"normaler" Sorgfalt oder Umsicht und zwanghaftem
Verhalten sind hierbei fließend. Entscheidend für
die Diagnose einer Zwangsstörung ist, ob die Person ihr
Verhalten eigentlich als unsinnig empfindet und unter deutlichen
Einschränkungen im Alltag leidet.
Diagnostische Kriterien für die
Zwangsstörung:
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Es gibt einen inneren subjektiven Drang,
bestimmte Dinge zu denken oder zu tun
-
Es existiert ein Widerstand von Seiten der
betroffenen Person gegen diesen Drang.
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Es besteht Einsicht in die Sinnlosigkeit
der Gedanken bzw. Handlungen.
-
Die Zwangsgedanken bzw. Zwangshandlungen
sind mit einer deutlichen Belastung/ Beeinträchtigung
der Person verbunden.
Erscheinungsformen der Zwangsstörung
Zwänge können ganz unterschiedliche Bereiche betreffen.
Besonders häufige Formen der Zwangsstörung sind:
Kontrollzwänge
Menschen mit Kontrollzwängen müssen immer wieder
bestimmte Dinge nachkon-
trollieren, typischerweise elektrische
Geräte, Wasserhähne, Türen, Fenster etc. Sie
sind gequält von der vagen Befürchtung, etwas Schlimmes
könnte passieren (z.B. das Haus brennt), und sie trügen
dann die Schuld daran.
Waschzwänge
Hierfür ist die Angst vor Verseuchung oder Kontamination
mit irgendwelchen Krankheiten oder ekelerregenden Stoffen
typisch. Die betroffenen Personen betreiben exzessive Reinigungsrituale,
wie vielfaches Hände-
waschen, Duschen, Haarewaschen, z.T.
bis hin zu deutlichen Hautschädigungen.
Zwangsgedanken
Hier erleben Betroffene Gedanken, Impulse oder Vorstellungen/Bilder,
die als aufdringlich und unangenehm empfunden werden und erhebliche
Angst auslösen. Relativ häufig sind Zwangsimpulse,
die gegen gesellschaftliche Tabus verstoßen, wie aggressive
oder sexuelle Gedanken. Personen, die unter diesen Zwängen
leiden, haben meist große Angst, die Gedanken könnten
ein Zeichen dafür sein, dass sie in der Lage sind, bestimmte,
für sie schreckliche Dinge zu tun (z.B. jemanden angreifen,
Gott verfluchen ...). Sie versuchen, diese Gedanken zu unterdrücken
oder durch bestimmte Rituale (gedanklich oder durch Handlungen)
zu entkräften.
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Weitere
Erscheinungsformen
Darüber hinaus existieren weitere Unterfor-
men
von Zwängen wie Zählzwang, Ord-
nungszwang, Sammelzwang,
Wiederholungs-zwang, Zwang, sich rückzuversichern u.a.
Viele Betroffene schämen sich ihrer Zwänge und versuchen,
sie geheim zu halten. Häufig denken sie, dass nur sie ein
so absurdes Problem haben und dass niemand sie verstehen wird.
Hier ist es wichtig zu wissen, dass Zwänge die vierthäufigste
psychische Störung darstellen - somit nicht im geringsten
selten sind - und dass mittlerweile gute Therapiemöglichkeiten
bestehen. Für die Prognose der Behandlung spielt es keine
Rolle, ob die Zwänge besonders bizarr erscheinen oder nicht.
Viel wesentlicher ist es, ob die Betroffenen bereit sind, in
der Therapie aktiv mitzuarbeiten.
Therapeutische Strategien für den
Umgang mit Zwangsstörungen
Beziehungsaufbau und Diagnostik
Am Anfang der Therapie geht es vor allem darum, eine vertrauensvolle
Beziehung aufzubauen und die vorliegenden Zwangs-
symptome genau
zu erfassen. Hierbei werden Patienten in aller Regel zur Selbstbeobachtung
angeleitet: Häufig erhalten sie beispielsweise die Hausaufgabe,
über ihre Zwänge Protokoll zu führen oder aber
einzelne Zwangssequenzen ganz genau nach Gedanken, Handlungen
und Gefühlen zu analysieren.
Vermittlung eines Erklärungs-
und Therapiemodells
Im Anschluss hieran erarbeiten wir gemeinsam mit dem Patienten
ein auf ihn zugeschnittenes Modell der Aufrechterhaltung seiner
Zwänge.
Eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der Zwangsstörung
spielt in jedem Fall das Neutralisierungs-
und/oder Vermeidungs-
verhalten. Denn dieses verhindert
eine Auseinandersetzung des Patienten mit den Gefühlen
von Angst, Unruhe, Unsicherheit etc. und somit auch die Entwicklung
alternativer Bewältigungsstrategien. Zentraler Bestand-
teil
der Therapie ist somit das Verhindern des Neutralisierungsverhaltens
(der Zwangs-
handlungen
oder des Vermeidungsver-
haltens). Hierdurch steigt zwar kurzfristig
die Intensität der unangenehmen Gefühle, langfristig
aber können sich so die prob-
lematischen Bewertungen der
Gedanken verändern, was bewirkt, dass diese weniger quälend
empfunden werden und allmählich an Intensität und
Häufigkeit nachlassen.
Konfrontationsübungen
In der folgenden Phase der Therapie wird der Patient darin angeleitet,
sich gezielt von ihm als schwierig betrachteten Situationen
auszusetzen und hierbei seine Zwangsrituale zu unterlassen.
Betroffene fürchten hier meist, die Angst könne bis
ins Unermessliche steigen oder gar nicht mehr nachlassen. Die Erfahrung, dass die Ängste sich nicht ins Un-
ermessliche
steigern sondern zu bewältigen sind, stellt einen wichtigen
Zwischenschritt in der Therapie dar. Grundsätzlich werden
Patienten in der Therapie niemals zu etwas gezwungen, wozu sie
nicht selbst bereit sind. Aufgabe des Therapeuten ist es, ihn
zu ermutigen und zu unterstützen.
Einbeziehung der Familienangehörigen
Das Umfeld von den Symptomen
einer Zwangserkrankung ist immer mitbetroffen. Deshalb ist es besonders
wichtig, die Familienangehörigen in die Behandlung mit
einzubeziehen.
Bearbeitung weiterer Problembereiche
Zusätzlich zu den auf den Zwang zuge-
schnittenen therapeutischen
Interventionen werden schließlich weitere Problembereiche
des Patienten bearbeitet, wie Probleme im Bereich soziale Kompetenz, Kommunikation,
soziale Kontakte, Abbau von Perfektionismus, Aufbau von Genussfähigkeit
etc.
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